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Unsicherheiten bei Eltern: Bauchgefühl versus Expertenrat

Menschen besitzen intuitive elterliche Kompetenzen

Auch wenn die neue Rolle als Mutter oder Vater Unsicherheiten aufwerfen mag und anfänglich die Angst mitschwingt, etwas falsch zu machen – Eltern verfügen über eine intuitive Kompetenz, ihre Säuglinge zu versorgen. Wenn ein Baby Signale gibt, denken Eltern nicht lange nach, sondern handeln aus dem Bauch heraus – im Schnitt in einem Zeitrahmen von 200 bis 600 Millisekunden.¹ Dieses intuitive Reaktionsverhalten konnte auch bei Geschwisterkindern und anderen Bezugspersonen beobachtet werden; bei Personen jeden Alters und Geschlechts und in allen Kulturen.¹ Dennoch ist natürlich jeder Mensch individuell und Eltern kennen ihre Kinder am besten. Ihr spürt also häufig sehr schnell, wenn etwas nicht stimmt. Genauso wisst ihr ganz genau, was eurem Kind guttut.

Die Grenzen der Intuition

So sehr wir uns oftmals auf unser Bauchgefühl verlassen können, gibt es jedoch natürlich auch Entscheidungen, die man nicht rein intuitiv treffen kann. In Bereichen, in denen uns fundiertes Fachwissen und Expertise fehlt, sind unserer Intuition Grenzen gesetzt. Gerade bei der Gesundheitsvorsorge empfiehlt es sich, die Kinder- und Jugendärztin bzw. den -arzt als Expert*in zu Rate zu ziehen und sich frühzeitig zu informieren, wie man seine Kinder vor Krankheiten schützen kann. Meningokokken-Erkrankungen sind beispielsweise seltene, aber lebensbedrohliche Krankheiten, denen man vorbeugen kann. Viele Eltern sind darüber nicht umfassend aufgeklärt und es bestehen viele Unklarheiten und Unsicherheiten.

Es gibt verschiedene Meningokokken-Gruppen und -Impfungen

So wissen viele Eltern beispielsweise nicht, dass ihre Kinder mit der standardmäßig empfohlenen Impfung gegen Meningokokken der Gruppe C nicht gegen andere Meningokokken-Gruppen geschützt werden können. Die Meningokokken-C-Impfung wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) für alle Kinder im Alter von zwölf Monaten empfohlen.² Zusätzlich gibt es jedoch noch eine mögliche Impfung gegen Gruppe B und eine Kombinationsimpfung gegen die Gruppen ACWY. Diese Impfungen werden bereits für Risikogruppen empfohlen, letztere zudem bei Reisen in Risikogebiete.³ In Deutschland kommt am häufigsten die Gruppe B vor, gefolgt von Y und C.⁴

Informiert euch bei eurer Kinderärztin bzw. eurem -arzt

Beim Thema Impfen sollten seriöse Quellen für eine Recherche verwendet werden und vor allem ärztliche Beratungsgespräche dafür genutzt werden, fundierte Entscheidungen zu fällen.

Es gibt uns ein beruhigtes Gefühl, uns umfassend informiert zu haben und mit Hilfe des Expertenrats unsere Kleinen bestmöglich vor Krankheiten schützen zu können.

Die Balance finden

Mit der Zeit werden die Unsicherheiten bei den verschiedenen Themen kleiner und man findet die richtige Balance zwischen intuitivem Bauchgefühl und dem Hinzuziehen von professionellem Rat. Ihr könnt nicht immer die perfekten Eltern sein und das werdet ihr auch nicht. Das Wichtigste ist, dass ihr euren Kindern Liebe, Geborgenheit und Halt gebt und bei den wichtigen Gesundheitsentscheidungen auf den Rat eurer Kinder- und Jugendärztin bzw. -arzt vertraut.

 

 

¹ Fernald A, Taeschner T, Dunn J, Papoušek M, Boysson-Bardies B Fukui I: A cross-language study of prosodic modifications in mothers´ and fathers´ speech to preverbal infants. J Child Lang 1979; 16: 477–501.

² RKI: „Epidemiologisches Bulletin 34/2020“. Verfügbar unter https://bit.ly/3jhaiJ0. Oktober 2020.

³ RKI: „Ratgeber Meningokokken”. Verfügbar unter: https://bit.ly/2X9spqp. Oktober 2020.

⁴ RKI: SurvStat@RKI 2.0, https://survstat.rki.de, Stand: Epidemiologisches Jahrbuch 2019, Invasive Meningokokken-Erkrankungen gemäß Referenzdefinition; Meldepflicht gemäß IfSG; 2019; März 2020.

 

Veröffentlicht im DEZEMBER 2020

NP-DE-MNX-WCNT-200078; 11/20