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Leonie

Grippeähnliche Symptome erschweren Meningokokken-Diagnose

Ihre Eltern erleben einen Albtraum, als ihre Tochter Leonie (Name geändert) mit elf Monaten an Meningokokken erkrankt. Bis die Diagnose gestellt wird, verstreicht wertvolle Zeit, denn Meningokokken-Erkrankungen sind schwer zu diagnostizieren, da die Symptome anfangs unspezifisch und grippeähnlich sind¹ – dabei zählt jede Minute.

85 Tage im Krankenhaus, mehr als 20 Operationen

Zweimal wird Kathrin (Name geändert) mit ihrer Tochter Leonie im Krankenhaus nach Hause geschickt, da die Symptome des Babys einem grippalen Infekt ähneln und weitere Untersuchungen keine Ergebnisse bringen. Das Fieber geht zuhause trotz fiebersenkender Medikamente jedoch nicht herunter, sondern steigt immer weiter an. Als Leonie nur noch flach atmet und dunkle Flecken auf ihrer Haut bekommt, fährt ihre Mutter das dritte Mal mit ihr ins Krankenhaus: „Als sie Leonie so sahen, fingen alle sofort an zu rennen und alles musste so schnell wie möglich gehen, um sie zu retten. Sie hatte einen septischen Schock, mehrere Organe versagten und aufgrund der Hauteinblutungen vermuteten die Ärztinnen und Ärzte dann sofort eine Meningokokken-Erkrankung.“ Der Verdacht bestätigt sich. Sie hat eine bakterielle Meningitis (Hirnhautentzündung) und eine Sepsis (Blutvergiftung). Leonie bekommt Bluttransfusionen, muss wegen des Organversagens an die Dialyse und wird mehr als 20-mal an ihrem rechten Bein operiert. 85 Tage verbringt sie im Krankenhaus in denen die Ärztinnen und Ärzte ihr Möglichstes geben, um sie schlussendlich retten zu können.

Babys und Kleinkinder sind besonders gefährdet, an Meningokokken zu erkranken

Babys und Kleinkinder wie Leonie sind besonders gefährdet, an Meningokokken zu erkranken, da ihr Immunsystem noch nicht vollständig ausgebildet ist.1 Meningokokken-Erkrankungen sind zwar selten, können aber schwere Folgen haben und innerhalb weniger Stunden lebensgefährlich sein.²

Leonie leidet bis heute unter den Folgeschäden

Bei jeder bzw. jedem fünften Erkrankten treten trotz Behandlung Komplikationen und Folgeschäden auf.³ Auch Leonies Nebenniere ist wahrscheinlich dauerhaft geschädigt und ihr Immunsystem geschwächt. Sie hat rund ein Jahr nach ihrer Erkrankung noch immer eine Ernährungssonde und kann nicht schlucken. Es ist noch nicht sicher, ob ihr stark vernarbtes rechtes Bein gerettet werden kann, oder ob es amputiert werden muss.

 

Leonie

Darum können zusätzlich mögliche Impfungen sinnvoll sein

Leonie hat zum Zeitpunkt ihrer Erkrankung alle standardmäßig empfohlenen Impfungen ihrem Alter entsprechend bekommen. Doch auch die Standardimpfung gegen Meningokokken C, die in Deutschland für alle Kinder im Alter von zwölf Monaten empfohlen ist,⁴ hätte sie nicht schützen können, da sie an einer anderen Meningokokken-Gruppe erkrankt ist. Ihre Eltern wussten nicht, dass es für einen umfassenden Schutz zusätzlich mögliche Impfungen gegen die Gruppen B und ACWY gibt.

 

Tipp: Kinderärzt*innen frühzeitig nach dem bestmöglichen Schutz fragen

Leonie ist eine Kämpferin. Die Geschichte ihrer Tochter zu veröffentlichen, ist für Leonies Eltern auch ein Appell an andere Eltern, sich zu informieren und zu handeln, damit niemand das Leid durchleben muss, das ihre Familie mitgemacht hat. Fragt daher frühzeitig eure Kinderärztin bzw. euren -arzt nach dem bestmöglichen Schutz vor Meningokokken.

 

¹ Deutsches Grünes Kreuz: „Häufige Fragen und Antworten zu Meningokokken-Erkrankungen". Verfügbar unter: https://bit.ly/32GK5uR. September 2021.

² BZgA: „Erregersteckbrief Meningokokken“. Verfügbar unter: https://bit.ly/32Bnccl. September 2021.

³ Deutsches Grünes Kreuz: „Häufige Fragen und Antworten zu Meningokokken-Erkrankungen". Verfügbar unter: https://bit.ly/2O8tlaw. September 2021

⁴ RKI: „Epidemiologisches Bulletin 34/2021“. Verfügbar unter: https://bit.ly/3C8wMpe. September 2021.

 

Veröffentlicht im SEPTEMBER 2021

NP-DE-MNX-WCNT-210056; 09/21