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Meningokokken-Erkrankungen – eine Erfahrung, die verbindet


„Ich hatte schon mal davon gehört, aber ich kannte das nicht wirklich.“

Tamaras Worte gehen wie ein Echo durch den Raum, in dem es sonst ganz still ist. Ihre Bestürzung ist auch viele Jahre nach dem Erlebten spürbar. Tamara ist Mitte 30, ihre kleine Tochter Kelly ist heute 5.

Als Kelly an Meningokokken erkrankte, war sie gerade einmal ein halbes Jahr alt. Weil das Immunsystem der Kinder in diesem Alter noch nicht ganz ausgereift ist, ist die Erkrankungsgefahr besonders hoch.

Jeder Zehnte trägt Meningokokken im Nasen-Rachen-Raum. [1] Sie werden durch Tröpfcheninfektion übertragen. Die gute Nachricht: Dennoch kommt es sehr selten zu einer Krankheit. Die schlechte Nachricht: Wer an Meningokokken erkrankt, findet sich schnell in einer lebensbedrohenden Situation wieder. Mögliche Folgeschäden begleiten Betroffene oft durch ihr ganzes weiteres Leben.

Heute ist ein besonderer Tag. Der Austausch macht das Erlebte ein wenig leichter.

Tamara spricht mit Justina, 25, über das Erlebte. Der Austausch tut gut. Denn auch Justina hat eine Meningokokken-Erkrankung durchlebt - mit weniger Glück als die kleine Kelly. Justina ist 19, als sie erkrankt. Zehn Tage liegt sie im Koma, und als sie erwacht, sind ihre Beine schwarz. Sie hält inne, nachdem sie dies erzählt. Doch Justina kämpft sich durch.

Die starke junge Frau beschließt, so wie auch Kellys Mama Tamara, andere Eltern über diese Krankheit aufzuklären, die so viel Unheil bringen kann und von denen die meisten Menschen nicht einmal wissen, dass es sie gibt.

„Ich finde, man sollte viel besser aufgeklärt werden.“

Das betont Tamara immer wieder, Justina stimmt nickend zu. Beiden ist heute klar: Die Erkrankung ist zwar sehr selten, kann aber jeden treffen. Wobei es zwei Erkrankungsspitzen gibt: in den ersten 24 Lebensmonaten sowie im jugendlichen Alter.

Was viele nicht wissen: Da es unterschiedliche sogenannte Serogruppen von Meningokokken gibt, existieren auch unterschiedliche Impfungen. „Ganz viele in meinem Umfeld wussten nicht, was Meningokokken sind“, sagt Tamara. Justina fügt hinzu: „Als ich ein Kind war, gab es diese Impfung noch gar nicht.“ Umso wichtiger sei es, dass Eltern heute darüber informiert werden - darüber, „was die Krankheit anrichtet“, und dass es Schutzmöglichkeiten gibt.

Die Symptome: grippeähnlich. Die Diagnose: schwierig.

Als Tamara mit ihrer kleinen Kelly zum Kinderarzt geht, fällt der Verdacht zunächst auf eine klassische Grippe. Erst am nächsten Tag wird Kelly mit Verdacht auf Meningokokken ins Krankenhaus geschickt, wo die Analyse von Nervenwasser diesen bestätigt. In der Klinik wird Kelly isoliert und mit Antibiotika und Cortison behandelt. Niemand darf sie besuchen. Die Ärzte tragen sogar Schutzanzüge.

 
„Es war wie im Film, der an einem vorbeigelaufen ist.“

Tamara erzählt, sie habe alles wie im Film erlebt. Erst später habe sie realisiert, was da passiert sei. Nach weiterer Recherche versteht sie, was außerdem alles hätte passieren können. Kelly hat großes Glück gehabt.

Glück empfindet auch Justina. Als sie damals an Meningokokken erkrankt, verspürt sie ebenfalls nur grippeähnliche Symptome. Sie leidet unter starken Kopfschmerzen, dann Erbrechen. Als sich dann jedoch auf ihrer Haut schwarze Pünktchen bilden, wird sie ins Krankenhaus eingewiesen, wo die Ärzte sie auf der Intensivstation isolieren und ins Koma versetzen. Ganze zehn Tage später erwacht sie und muss erfahren:  Ihre Beine müssen aufgrund der Meningokokken-Erkrankung amputiert werden. Doch Justina ist heute – vier Jahre nach der Erkrankung – sehr dankbar, dass sie auch mit amputierten Unterschenkeln und Fingerkuppen in der Lage ist, allein zu leben, zu reisen, Freunde zu treffen.

Eine individuelle Beratung ist das A und O

Das Erlebte fühlt sich für Justina, genauso wie für Kellys Mutter Tamara, auch heute noch nicht real an. Beide sagen klar: Der beste Weg, sich bzw. seine Kinder zu schützen, ist ein aufklärendes Gespräch mit der Kinder- und Jugendärztin oder dem -arzt.

Viele Eltern denken, ihre Kinder seien bestmöglich geschützt, auch wenn sie das unter Umständen nicht sind. Denn gegen die unterschiedlichen Meningokokken-Gruppen stehen verschiedene Impfungen zur Verfügung.

Informiere dich daher am besten frühzeitig bei deiner Kinder- und Jugendärztin oder deinem -arzt über die unterschiedlichen Meningokokken-Impfungen – für dein Kind.

 

[1] RKI: „Ratgeber Meningokokken“. Verfügbar unter: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Meningokokken.html?nn=2394130. Mai 2022.

 

Veröffentlicht im MAI 2022

NP-DE-MNX-WCNT-220062; 05/22